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Markenwerk

Interface Design

am 21.03.2016

Interfaces im Allgemeinen

Unter Interfaces versteht man zu allererst die Übergänge von Prozessen zwischen verschiedenen an einem Prozess beteiligten Komponenten. Betrachtet man das Thema aus gestalterischer Sicht, so trifft man in aller Regel auf Schnittstellen zwischen Menschen und Maschinen. Die Herausforderung besteht dann darin, den Übergang zwischen dem Bediener und dem Apparat so reibungsarm wie möglich zu gestalten.

Bei Mensch-Maschine-Schnittstellen spricht man von „User Interfaces“ (UI). Bezieht man sich auf die Ausgestaltung der Bedienoberfläche spricht man von „Graphical User Interfaces“ (GUI).

Das UI ist dabei im Wesentlichen die Schnittstelle, die von der Maschine bereitgestellt wird, um dem Menschen deren Bedienung zu ermöglichen. Bei der Konzeption wird zu Recht davon ausgegangen, dass es wesentlich sinnvoller und effizienter ist, die Hindernisse auf Seiten des Bedieners so minimal wie möglich zu halten, als eine erhöhte Schulungs- und Einarbeitungszeit in Kauf zu nehmen. Optimalerweise ist die resultierende Benutzbarkeit so hoch, dass ein UI intuitiv bedienbar ist — also die Optionen, die dem Bediener angeboten werden, so selbsterklärend sind, dass dieser die Maschine ohne Bedienfehler befürchten zu müssen einsetzen kann.

User Interfaces im Speziellen

Immer dann, wenn einem Anwender einer Software im weitesten Sinne eine grafische Oberfläche angeboten wird, um definierte Prozesse zu steuern, steht das Thema UI im Mittelpunkt. Dabei ist es nicht erheblich, welche Art von Software auf welcher Art von Display eine Oberfläche präsentiert. Es kann sich um eine Unternehmenswebsite handeln, deren Bedienung ganz ohne Schulungs- oder Einarbeitungszeit reibungslos möglich sein muss. Es kann auch um eine geräteunabhängige Web-Applikation, Intranet-Lösung, eine Smartphone-App oder eine Anwendung für einen Leitstand mit Head-Up-Display gehen.

Für die diversen Anwendungsfälle müssen unterschiedliche Anforderungen, Prozesse und Szenarien definiert und realisiert werden.

Das UI ist also die fallspezifische Ausgestaltung der Schnittstelle, die für eine nahtlose und reibungsarme Interaktion zwischen dem Nutzer und einem Produkt sorgt. Der größte Teil bei der Konzeption und Realisierung vom ersten Prototypen bis hin zum fertigen Produkt besteht darin, das Verhalten des Bedieners zu beobachten oder aufzuzeichnen und das UI auf Basis der erhobenen Daten zu verbessern.

User Experience

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil, der über Wohl und Wehe eines digitalen Produktes entscheidet, ist die so genannte „User Experience“ (UX). Unter UX versteht man die subjektive Einschätzung der Qualität des Verhaltens, der Praktikabilität und der Erscheinung einer Mensch-Maschine-Schnittstelle aus Sicht des Bedieners. Dabei steht nicht die grafische Ausgestaltung im Mittelpunkt, sondern das generelle Verhalten und das zugrundeliegende Bedienkonzept.

Es gilt also schon in der Konzeptionsphase bestmöglich einzuschätzen, welche Prozess‑, Verhaltens- und Bedienmuster von der Anwenderschaft als praktisch, sinnvoll und anwenderfreundlich empfunden werden. Da diese Wahrnehmung äußerst individuell ist, muss hier in mehreren Iterationen validiert werden, ob die getroffenen Annahmen zutreffend sind.

Generelle Konzepte

Grundsätzlich kann man zwei verschiedene konzeptionelle Herangehensweisen unterscheiden. Keiner der Ansätze ist dabei einem anderen vorzuziehen; welche Strategie in Planung und Umsetzung verfolgenswert erscheint, ist abhängig vom Produkt und der Einschätzung der Bedienerschaft. Dabei spielen die Affinität zur Plattform, die Demografie und der Einsatzzweck des Produktes die wesentlichsten Rollen.

Strikte Befolgung von systemimmanenten Paradigmen

Alle wesentlichen Plattformen bringen eigene UX- und UI-Richtlinien (iOS, Android, Windows Mobile), Best-Practice-Vorgaben oder gelernte Bedienkonzepte (Websites, Web-Applikationen) mit. Eine Strategie ist es, sich strikt an diese zu halten und so sicherzustellen, dass ein Anwender, der mit dem Gerät und seiner Plattform vertraut ist, die eingesetzten Bedienkonzepte kennt und deren Anwendung daher intuitiv beherrscht.

Diese Herangehensweise hat dabei allerdings einige ernstzunehmende Nachteile. Zum einen schafft eine eventuell notwendige Abweichung und die dadurch entstehende Inkonsistenz vermutlich Verwirrung oder zumindest ein unwohles Gefühl beim Anwender. Zum anderen muss für jede Plattform mit unterschiedlichen Konzepten gearbeitet werden, die jeweils die Bedien-Paradigmen berücksichtigen. Das führt häufig dazu, dass weitere beteiligte Dienste — wie zum Beispiel Webservices, die als Datenquelle eingebunden werden — für die unterschiedlichen Client-Plattformen verschiedene Methoden anbieten müssen, um die selben Prozesse auszuführen.

Darüber hinaus ist eine häufig gewünschte Anpassung des Interface Designs, um eine markenorientierte Gesamterscheinung zu erreichen, nur bedingt möglich.

Plattformübergreifende Konsistenz des Bedienkonzeptes

Um diesen Ansatz zu verfolgen, ist ein erfahrenes Team von Designern und Entwicklern nötig, da die Planung des Produktverhaltens massiven Einfluss auf die Nutzbarkeit des Produktes, technische Machbarkeit und damit auf die Qualität des Ergebnisses hat. Das Ziel des Ansatzes ist es, unabhängig von Paradigmen ein eigenes Bedienkonzept zu implementieren, das die plattform-spezifischen Bedienmuster ignoriert, ohne dabei an Usability einzubüßen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist intensives Testen anhand von Prototypen auf allen relevanten Plattformen notwendig, um die Knackpunkte im User-Flow zu finden und sicherzustellen, dass diese beseitigt werden. Nötigenfalls müssen für Detailprobleme plattform-spezifische Lösungen erarbeitet werden.

Der wesentliche Vorteil dieser Herangehensweise ist die Möglichkeit, ein Produkt mit einer eigenen Identität in Bezug auf UI und UX auszustatten. Dies führt zu einer wesentlichen höheren Nutzerbindung und einem erhöhten individuellen Bezug zu Produkt und Marke.