Markenwerk GmbH

Moin Refugge App

Moin – Willkommen bei uns in Schleswig-Holstein

Konzeption und Realisierung eines digitalen Wegweisers für Geflüchtete durch den Behörden- und Institutionsdschungel in Schleswig-Holstein.

Projekt

Moin Refugee App

Kunde

Pro bono

Disziplinen

Konzeption, UX-Design, Realisierung, App-Entwicklung

Moin Refugee

Die Moin Refugee App ist ein mehrsprachiger Wegweiser und Ratgeber für Geflüchtete, beantwortet die ersten Fragen, gibt Tipps und hilft bei der Orientierung. Die App ist war gratis erhältlich für Android und iOS Smartphones.

Ausgangssituation

Das Thema der Flüchtlingskrise geht auch an uns nicht vorbei und relativ früh war uns klar, dass wir uns bei der Hilfe für Geflüchtete irgendwie einbringen wollen — nur wie? Natürlich könnten wir auch Decken verteilen, aber auf anderem Wege können wir sicher besser helfen und so kam es zur Idee für die „Moin-App“.

Die Moin-App soll Geflüchteten in Kiel als Wegweiser dienen. Nützliche Informationen zur Stadt Kiel und zum Land Schleswig-Holstein sind in verschiedene Sprachen übersetzt und helfen beispielsweise bei der Suche nach Leistungen oder der Beschreibung von Behörden. In Zusammenarbeit mit freiwilligen Redakteuren und Übersetzern wurden so die relevanten Themen rund um die Orientierung in der neuen Umgebung erarbeitet und in Form einer mobilen Anwendung zusammengefasst. Die Moin-App kann konnte gratis heruntergeladen werden.

Ideenfindung

Anders als bei unseren üblichen Aufträgen haben wir intern mit einem leeren Blatt Papier begonnen. Die große Frage, die sich uns stellte war: „Was genau wird benötigt?“ In der Hoffnung, dass uns die zuständigen Behörden oder ehrenamtlichen Initiativen einen Hinweis geben könnten, wurde uns schnell bewusst, wie überfordert die Verantwortlichen sind und dass wir unser Projekt eigenständig entwickeln müssen. Zunächst wurde also unser Konzept konkretisiert, das darauf ausgerichtet ist, Informationen für Flüchtlinge bereitzustellen. Die Beschaffung dieser Informationen ist dabei die größte Herausforderung, da es keine vorhandene Sammlung relevanter Informationen und Adressen für Geflüchtete gibt. Wir mussten diese Informationen mühselig recherchieren und nach bestem Wissen und Gewissen hinterlegen. Nach Rücksprache mit mehreren Initiativen wurden wir in unserer Idee, eine rein informative App zu erstellen, bestärkt und auch das Feedback unserer freiwilligen Helfer war durchweg positiv.

Definition von Funktionen

Relativ schnell war uns klar, dass die App in erster Linie aus informativen Texten bestehen wird. Der große Nutzen dieser App soll eine mehrsprachige Verfügbarkeit dieser Texte sein. Darüber hinaus sind uns ein paar nützliche Funktionen und Features eingefallen, die unbedingt Bestandteil dieser App sein mussten:

  • Eine vollständige Auflistung aller wichtigen Ämter und Behörden.
  • Leistungsbeschreibungen von Initiativen und Ämtern.
  • Offline verfügbares Kartenmaterial für eine bessere Orientierung in Kiel.
  • Eine Umkreis-Karte mit allen wichtigen POIs, die sich in der Nähe befinden.
  • Fotos von Gebäuden und Eingängen der Ämter und Behörden.
  • Eine Bookmark-Funktion zum schnellen Zugriff auf gespeicherte Artikel.
  • Feedback-Funktion, die das Bewerten von Artikeln ermöglicht.

Im Entstehungsprozess dieser App sind weitere Funktionen hinzugekommen, die sich als Konsequenz aus der Implementierung der Basisfunktionalität ergaben.

Produktentwicklung

Moin Refugee App

Die Vorlaufzeit in diesem Projekt war sehr kurz, da die Flüchtlingsströme stetig zunahmen und wir kurzfristig eine App bereitstellen wollten. Es ging also direkt an die Umsetzung, ohne im Vorwege das UX und UI genau besprochen zu haben.

Da ein Großteil der Geflüchteten Android-Endgeräte benutzt, haben wir uns zunächst auf eine Veröffentlichung im Google Play Store konzentriert. Unser iOS-Entwickler wurde kurzerhand als Web-Entwickler eingesetzt und erstellte die Datenbank und ein zugeschnittenes Redaktionssystem, während sich unser Android-Entwickler um die App kümmerte. Nach durchweg positivem Feedback und diversen Anfragen wurde kurze Zeit später auch eine iOS-Variante umgesetzt.

Die Herausforderung

Das Thema Performance spielte in der Konzeption und Umsetzung eine wesentliche Rolle, da davon auszugehen war, dass ein großer Teil der Anwender nicht über aktuelle Technik verfügen würde. So wurden alle Performance-Tests auf alten und langsamen Smartphones durchgeführt. Entsprechend wurde auf jeglichen Schnickschnack verzichtet, der die Nutzung der App behindern könnte. Wie schon erwähnt, hatten wir weniger Sorgen, eine App zu entwicklen, die rein funktional ist. Wichtig war uns die Qualität der Inhalte und die Verfügbarkeit verschiedener Sprachen. Das gewährleisten zu können, bedarf einer Menge redaktioneller Arbeit.

Umsetzung

Redaktionssystem

Um die Redaktion und Organisation der Informationen und Übersetzungen zu ermöglichen, hat die IT-Crew Anforderungen an ein Redaktionssystem definiert. Auf deren Basis wurde ein Datenbankschema entworfen, das vom Redaktionssystem genutzt wird. Die entsprechende Anwendung wurde in Haskell mit Hilfe des yesod-Frameworks als agiles Projekt umgesetzt. Im Laufe der Benutzung konnten so in iterativen Sprints kurzfristig Verbesserungen und Erweiterungen hinzukommen, die sich als hilfreich bei der Arbeit mit dem System herausstellten.

Hierbei erleichterte Haskell kurze Sprints durch die Automatisierung von Tests und das umfangreiche Typsystem, sodass wenig Zeit auf Tests verwendet werden musste.

Der Server, auf dem das System läuft, wurde freundlicherweise unentgeltlich vom IT-Dienstleister „ennit“ zur Verfügung gestellt.

Redaktion

Mit den gebündelten Erkenntnissen wurden nun Ämter, Behörden, Initiativen und allgemeine Informationen mit Hilfe des Redaktionssystems hinterlegt. Alle wichtigen Infos wie Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummern, Ansprechpartner und Beschreibungen wurden hinzugefügt. Mit Hilfe von freiwilligen Redakteuren wurde in verschiedenen Etappen zuerst die deutsche Version erarbeitet und anschließend lektoriert.

„Sie haben der Stadt Kiel und den Bürgerinnen und Bürgern einen großen Dienst erwiesen.“

Renate Treutel, Stadträtin für Bildung, Jugend und Kreative Stadt

Übersetzungen

Weitere freiwillige Helfer haben auf Basis der deutschen Texte die Übersetzung ins Englische und Französische übernommen. Während die englischen Texte bereits lektoriert wurden, waren die französischen Texte schon zum Teil übersetzt. Parallel arbeiteten weitere Redakteure an Übersetzungen ins Arabische, Serbische und Albanische.

Moin Refugee App Ansichten
Auswahl unterschiedlicher Inhalte der Moin Refugee App.

Auszeichnungen

Deutschland – Land der Ideen

Auszeichnung – Land der Ideen 2016

Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ hat im Rahmen der diesjährigen Auszeichnung die Moin-Refugee-App zu einem der deutschlandweit 100 Preisträger gewählt. Zum Themengebiet „Nachbarschafftinnovation – Gemeinschaft als Erfolgsmodell“ bewarben wir uns in der Kategorie „Gesellschaft“ und werden 2016 als einziges Projekt aus Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

Wirtschaft zusammen

Initiave „Wirtschaft zusammen

Bei der Initiative „Wirtschaft zusammen“ handelt es sich um eine Initiative deutscher Unternehmen, die sich für die Integration von Flüchtlingen engagieren. Neben namhaften Konzernen wie Deutsche Post DHL Group, Siemens AG, Deutsche Telekom AG, Hugo Boss AG, uvm. sind auch wir als Markenwerk eines der ausgewählten Unternehmen, die mit der Moin Refugee App Teil dieser Initiative sind.

Weiterer Verlauf – Abschaltung

Das Projekt musste von uns eingestellt werden. Gesetzesänderungen, das Hinzukommen von Leistungsangeboten und die weiteren Entwicklungen, von denen Geflüchtete betroffen sind, konnten von uns nicht aktuell gehalten werden. Die redaktionelle Arbeit, die inhaltliche Verantwortlichkeit und stetige Weiterentwicklung der Anwendungen sollte von einer „offiziellen Stelle“ übernommen werden. Über ein Jahr sprachen wir daher mit Städten und Kommunen über die Überführung des Systems in andere Hände, boten dabei unsere Hilfe bei der Umsetzung weiterer Anforderungen an und mussten ohne zufriedenstellendes Ergebnis den Betrieb einstellen. Interessenskonflikte, Rahmenverträge oder nicht vorhandenes Budget sind nur ein paar der Gründe, die unser Unterfangen scheitern ließen, daher bleibt ein fader Beigeschmack, wenn wir an die Moin Refugee App denken. Was uns dennoch positiv in Erinnerung bleiben wird, sind das ehrenamtliche Engagement, das die Kieler Bürgerinnen und Bürger zum damaligen Zeitpunkt an den Tag gelegt haben und der große Zuspruch aus unserem Kundenkreis.